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Ein Direktkäufer hat sich gemeldet, oder Sie ziehen gerade in Betracht, selbst einen anzusprechen. Das Angebot liegt vor — und jetzt tun Sie das, was kluge Eigentümer tun sollten: Sie fragen sich, ob diese Zahl berechtigt ist. Diese Frage beantwortet nicht, ob Sie annehmen sollen. Aber ohne sie verhandeln Sie blind.
Wer seine Immobilie bewertet — oder ein Angebot einordnen will —, stößt schnell auf zwei Begriffe, die oft verwechselt werden: Verkehrswert und Ankaufspreis. Der erste ist ein rechtlich definiertes Konstrukt. Der zweite ist das, was jemand zu zahlen bereit ist. Sie können sich annähern — müssen es aber nicht.
Der Verkehrswert ist keine Schätzung nach Gefühl. § 194 des Baugesetzbuchs (BauGB) definiert ihn als den Preis, der im gewöhnlichen Geschäftsverkehr nach den rechtlichen Gegebenheiten und tatsächlichen Eigenschaften, der sonstigen Beschaffenheit und der Lage des Grundstücks zum maßgeblichen Zeitpunkt erzielt werden würde. Ungewöhnliche oder persönliche Verhältnisse bleiben ausdrücklich außen vor.
Das ist ein wichtiger Satz: Der Verkehrswert fragt, was der Markt zahlen würde — nicht, was gerade angeboten wird, und nicht, was jemand aus persönlichen Gründen zahlt oder ablehnt.
Wie dieser Wert methodisch ermittelt wird, regelt die Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV), die seit dem 1. Januar 2022 in überarbeiteter Fassung gilt. Sie kennt drei anerkannte Verfahren:
In der Praxis nutzen Gutachter oft eine Kombination oder plausibilisieren ein Ergebnis mit einem zweiten Verfahren. Stand: Oktober 2026. Quelle: ImmoWertV 2021 auf gesetze-im-internet.de
In Sachsen gibt es für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt einen Gutachterausschuss für Grundstückswerte. Diese unabhängigen Gremien sammeln alle notariell beurkundeten Kaufpreise in ihrer Region — die sogenannte Kaufpreissammlung. Aus ihr werden jährlich die Bodenrichtwerte abgeleitet, die jeweils zum 1. Januar eines Jahres festgestellt werden.
Was das für Eigentümer bedeutet: Es gibt eine öffentlich zugängliche Datengrundlage, die niemand kennen muss, die aber jeder nutzen kann. Das Bodenrichtwertinformationssystem BORIS Sachsen stellt aktuelle Bodenrichtwerte für alle Gemeinden des Freistaats kostenlos zur Verfügung — nach Lage, Nutzungsart und Zone. Wer wissen will, welchen Bodenwert der Gutachterausschuss für seine Straße ansetzt, muss dafür nicht bezahlen.
Daneben veröffentlichen die sächsischen Gutachterausschüsse regelmäßig Immobilienmarktberichte — teils für den gesamten Freistaat, teils für einzelne Landkreise. Sie enthalten Kaufpreisübersichten nach Objekttyp, Baujahr, Wohnfläche und Lage. In einem Jahr mit wenig Transaktionen sind diese Spannen weit; in aktiven Märkten wie Leipzig oder Dresden geben sie eine deutlich engere Orientierung.
Quelle: BORIS Sachsen — Bodenrichtwertinformationssystem
BORIS liefert den Bodenrichtwert — nicht den Immobilienwert. Der Unterschied ist erheblich: Der Bodenrichtwert gibt den Wert des Bodens pro Quadratmeter für ein fiktives Normgrundstück an. Ihr Grundstück weicht davon ab — durch Zuschnitt, Hanglage, Erschließungsstand, Umgebungsbebauung. Und das Gebäude darauf ist noch nicht eingerechnet.
Für eine erste, belastbare Orientierung helfen diese Schritte:
Ein Ankäufer, der eine Immobilie direkt erwirbt, rechnet mit anderen Grundannahmen als ein Eigennutzer. Das ist keine Schwäche seines Angebots — es ist die Logik des Geschäftsmodells:
Das Ergebnis: Ein Direktangebot liegt fast immer unter dem Verkehrswert — und deutlich unter dem, was ein langer Bieterprozess mit mehreren Interessenten bringen könnte. Das ist kein Geheimnis; ein seriöser Ankäufer kommuniziert das offen. Wer behauptet, den Markthöchstpreis mit der Bequemlichkeit des Direktverkaufs zu kombinieren, lügt.
Wie viel der Abstand zwischen Direktangebot und theoretischem Verkehrswert ausmacht, beantwortet sich regional sehr unterschiedlich.
In Leipzig-Connewitz, Dresden-Loschwitz oder dem Leipziger Umland gibt es eine größere Zahl potenzieller Käufer. Wer Zeit hat, kann einen Bieterprozess abwarten — und der Abstand zum Direktangebot wird teurer. Gleichzeitig gilt: Je begehrter die Lage, desto höher ist auch das Niveau, auf dem ein Direktkäufer einsteigt. Der Abstand bleibt, aber er liegt auf einem anderen Sockel.
Diese Städte haben stabilere Immobilienmärkte mit moderater Nachfrage. Vermarktungszeiten sind länger als in Leipzig oder Dresden, aber ein gut aufgestelltes Objekt findet Käufer. Der Direktverkauf spart hier vor allem Zeit und Nerven — seltener bringt er gegenüber einem geduldigen Marktzugang einen wirtschaftlichen Vorteil.
Hier ist das Bild komplexer. Lange Vermarktungszeiten, ein kleiner Interessentenkreis und ein hoher Anteil an sanierungsbedürftigen Objekten aus der Vorwendezeit bedeuten: Der theoretische Mehrerlös eines Bieterprozesses setzt voraus, dass dieser Prozess überhaupt funktioniert. Bei einem Haus mit ungeklärten Baulasten, leerstehendem Erdgeschoss und veralteter Heizungsanlage kann der Direktverkauf wirtschaftlich sinnvoller sein als viele Monate auf dem Markt mit sinkendem Angebotspreis.
Nicht nur die Lage bestimmt den Wert — bestimmte Unterlagen und Objekteigenschaften verschieben das Ergebnis erheblich, in beide Richtungen:
Eine ehrliche Abwägung sieht so aus:
Der Direktverkauf passt, wenn:
Der Direktverkauf passt nicht, wenn:
Wer ein Direktangebot bekommt, ohne eine eigene Wertorientierung zu haben, verhandelt ohne Maßstab. Das muss nicht schlecht ausgehen — aber die Chance, ein schlechtes Angebot zu erkennen, ist ohne Vergleich gleich null.
immozeit ist ein inhabergeführtes Unternehmen mit Sitz in Kornwestheim. In Sachsen arbeitet immozeit über Partner vor Ort, die die regionalen Märkte kennen — in Leipzig, Dresden, Chemnitz und den umliegenden Landkreisen. Es gibt kein eigenes Büro in Sachsen.
Was das in der Praxis bedeutet: Wer über immozeit ein Ankaufsangebot einholt, bekommt eine Einschätzung, die auf regionaler Marktkenntnis basiert — nicht auf einem Algorithmus, der Bodenrichtwerte addiert und einen Faktor draufschlägt. Und wer das Angebot ablehnt, hat zumindest eine Orientierung gewonnen, mit der er in einen anderen Prozess gehen kann.
Wenn Sie wissen möchten, was Ihre Immobilie im sächsischen Markt wert ist und was ein Direktankauf konkret bedeuten würde, nutzen Sie das Formular auf dieser Seite. Kein Pflichttermin, keine versteckten Schritte: erst Klarheit, dann Entscheidung.
Über den Autor
Redaktion · Immozeit Ankauf
Das Redaktionsteam von Immozeit Ankauf. Wir schreiben über den Immobilienmarkt in der Region Stuttgart, Ludwigsburg und Kornwestheim — aus der täglichen Praxis unseres inhabergeführten Maklerbüros.
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